Zitate

Fotoausschnitt Buber mit Notizbuch

Hier haben wir wichtige und spannende Texte Bubers versammelt und geben einen kleinen Einblick in die verschiedenen Bereiche seiner Arbeit. Bisher finden Sie hier Worte aus Die Schrift, Die Erzählungen der Chassidim, weitere Textauszüge aus dem Gesamtwerk und einige Stimmen aus Briefwechseln. Die Sammlung wird noch ein wenig erweitert, allerdings kann dies nur einen kleinen Einblick in das Werk Bubers gewähren und wir bitten um Verständnis, wenn der eine oder andere bekannte oder besonders schöne Text vielleicht nicht oder auch noch nicht enthalten ist.

Gottesfinsternis

Die Zeiten der großen Probe sind die der Gottesfinsternis.Wie wenn die Sonne sich verfinstert,und wüßte man nicht, daß sie da ist,würde man meinen, es gäbe sie nicht mehr,so ist es in solchen Zeiten.Das Antlitz Gottes ist uns verstellt,und es ist, als müßte die Welt erkalten,der es nicht mehr leuchtet.Aber die Wahrheit ist, daß gerade erst danndie große Umkehr möglich wird,die Gott von uns

Die siebzig Sprachen

Rabbi Löb, Sohn der Sara, der wandernde Zaddik, erzählte: »Einmal war ich bei dem Baalschemtow über Sabbat. Gegen Abend vor der dritten Mahlzeit saßen schon die großen Schüler um den Tisch und warteten auf sein Kommen. Dabei unterredeten sie sich über einen Spruch des Talmuds, um dessen Bedeutung sie ihn befragen wollten. Es war der Spruch: ›Gabriel kam und lehrte Josef siebzig Sprachen.‹

Die schwere Buße

Einem, der den Sabbat unwissentlich entweiht hatte, weil sein Wagen gestürzt war und er, wiewohl in gewaltsamem Laufschritt, die Stadt nicht vor dem Anbruch der heiligen Frist erreichte, erlegte der junge Rabbi Michal eine harte und lange Kasteiung als Buße auf. Der Mann hielt sich mit aller Kraft dazu, das Vorgeschriebene zu erfüllen, merkte aber bald, daß sein Leib nicht standhielt, sondern zu

Wohltun

Rabbi Mosche von Kobryn war der Sohn von Dorfleuten, die mit schwerer Arbeit ihr Leben fristeten. Als er ein Knabe war, kam eine Hungersnot über Litauen, die Armen schwärmten mit Weib und Kind aus den Städten übers flache Land, um sich Nahrung zu suchen. Auch durch das Dorf, in dem Mosches Eltern wohnten, zogen täglich Scharen Bedürftiger. Seine Mutter mahlte Korn auf einer Handmühle und buk

Begegnung

"Ich kenne keine Fülle mehr als die jeder sterblichen Stunde an Anspruch und Verantwortung. Weitentfernt davon, ihr gewachsen zu sein, weiß ich doch,daß ich im Anspruch angesprochen werde und in der Verantwortung antworten darf, und weiß, wer spricht und Antwort heischt. Viel mehr weiß ich nicht. Wenn das Religion ist, so ist sie einfach alles, das schlicht gelebte Alles in seiner Möglichkeit

Sinn

Wo man um Ursprung und Ziel weiß,da gibt es kein Getriebe:man ist von einem Sinn getragen, den man nicht ersinnen könnte;aber man empfängt ihn nicht,um ihn zu formulieren,sondern um ihn zu leben;und gelebt wird erin der furchtbaren und herrlichenEntscheidungsfülle des Augenbicks. (Der Mensch von heute und die jüdische Bibel) Daß du Gott brauchst, mehr als alles, weißt du allzeit in deinem

Das Beten im Felde

Ein Chassid, der nach Mesbiž fuhr, um den Versöhnungstag in der Nähe des Baalschem zu verbringen, fand sich einer Störung halber, als die Sterne aufgingen, noch eine gute Strecke vor der Stadt und mußte zu seinem großen Gram allein auf dem Felde beten. Als er nach dem Fest nach Mesbiž kam, empfing ihn der Baalschem mit besondrer Freude und Freundlichkeit. »Dein Beten«, sagte er, »hat alle

Im Aschenhaufen

Ehe er nach dem Lande Israel fuhr, besuchte Menachem Mendel den großen Schüler des Baalschem, den alten Rabbi Jaakob Jossef in Polnoe. Er kam in einem Dreigespann zur Herberge und erregte schon damit Ärgernis bei den Polnoer Chassidim, die von ihrem Lehrer eine strenge Lebensweise gewohnt waren. Als er gar ohne Hut und Gurt, eine lange Pfeife im Mund, aus der Herberge in das Haus des Zaddiks ging,

Wer nicht zu fragen weiß

Wenn der Kobryner in der Passah-Haggada die Stelle von den vier Söhnen las, die den Sinn der heiligen Bräuche zu erfahren begehren, und an 20 die Worte kam, die vom Jüngsten gesagt sind und den Hausvater also beraten: »Und wer nicht zu fragen weiß, eröffne du es ihm«, pflegte er innezuhalten und aufseufzend zu Gott zu sprechen: »Und wer, ach, nicht zu beten vermag, tu du ihm sein Herz auf,

Albrecht Goes Nachwort zu „Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre“

"Martin Buber und die Chassidim: das ist keine Gelehrtenbeziehung, sondern eine Lebensfreundschaft. Er hatte früh, noch im Haus seines Großvaters, von dem Chassidim gehört; er hatte ihre Fragen und Antworten, mehr noch: ihr ganzes Dasein sich einverleibt. Er wußte, was diese Frommen vor zweihundert Jahren konnten: sie konnten denken, spielen, träumen, tanzen; sie konnten an Gott glauben, wie