Zitate

Fotoausschnitt Buber mit Notizbuch

Hier haben wir wichtige und spannende Texte Bubers versammelt und geben einen kleinen Einblick in die verschiedenen Bereiche seiner Arbeit. Bisher finden Sie hier Worte aus Die Schrift, Die Erzählungen der Chassidim, weitere Textauszüge aus dem Gesamtwerk und einige Stimmen aus Briefwechseln. Die Sammlung wird noch ein wenig erweitert, allerdings kann dies nur einen kleinen Einblick in das Werk Bubers gewähren und wir bitten um Verständnis, wenn der eine oder andere bekannte oder besonders schöne Text vielleicht nicht oder auch noch nicht enthalten ist.

Der fröhliche Sünder

In Lublin lebte ein großer Sünder. Sooft er mit dem Rabbi zu sprechen begehrte, war der ihm zu Willen und unterredete sich mit ihm wie mit einem vertrauten und erprobten Mann. Viele Chassidim ärgerten sich daran, und einer sagte zum andern: »Wie kann es sein, daß der Rabbi, der jedem zum erstenmal Erblickten sein Leben bis zu diesem Tag, ja die Herkunft seiner Seele von der Stirn abliest, nicht

Das Zeichen der Vergebung

»Woran erkennen wir wohl«, fragte Rabbi Bunam seine Schüler, »in diesem Zeitalter ohne Propheten, wann uns eine Sünde vergeben ist?« Die Schüler gaben mancherlei Antwort, aber keine gefiel dem Rabbi. »Wir erkennen es«, sagte er, »daran, daß wir die Sünde nicht mehr tun.«

Ein Weg wird sichtbar

Wer eine Lehre von mir erwartet, die etwas anderes ist als ine Hinzeigung, wird stets enttäuscht werden. Es will mir jedoch scheinen, daß es in unserer Weltstunde überhaupt nicht darauf ankommt, feste Lehre zu besitzen, sondern darauf, ewige Wirklichkeit zu erkennen und aus ihrer Kraft gegenwärtiger Wirklichkeit standzuhalten. Es ist in dieser Wüstennacht kein Weg zu zeigen; es ist zu helfen,

Der Mondsegen

In einem Wintermonat folgte eine tief bewölkte Nacht auf die andere, der Mond war nicht zu sehen, und Rabbi Baruch konnte den Mondsegen nicht sprechen. In der letzten Nacht, die dafür zu Gebote stand, schickte er Mal um Mal hinaus, nach dem Himmel zu schauen; aber immer wieder wurde ihm berichtet, es sei stockfinster und dichter Schnee gehe nieder. Schließlich sprach er: »Wenn es um mich gut stünde,

In den Nächten

In seiner Jugend zog Mosche Löb zuweilen am Abend heimlich andere Kleider an, entfernte sich unbemerkt und nahm an den Vergnügungen einiger Altersgenossen teil, sang und tanzte mit ihnen. Sie liebten ihn alle, und sein hingeworfenes Wort war ihnen ein Gesetz, aber er befahl ihnen nie. Als er nach Nikolsburg fuhr, um bei Rabbi Schmelke zu lernen, gaben sie ihre Gelage auf, weil sie ohne ihn keine

Der Narr und der Kluge

Rabbi Bunam sprach einmal: »Wenn ich kunstreiche Schriftdeutungen vorbringen wollte, könnte ich vieles zum besten geben. Aber der Narr sagt, was er weiß, der Kluge weiß, was er sagt.«

Die sechzig Helden

Es heißt, die Seele des Israel ben Elieser habe sich geweigert, in diese niedre Welt hinabzufahren; denn sie scheute sich vor den Brandschlangen, die in jedem Geschlecht einherzüngeln, und fürchtete, sie könnten ihr den Mut schwächen und sie zunichte machen. Da gab man ihr sechzig Helden mit, den sechzig gleich, die das Lager des Königs Salomo umstanden gegen den Schrecken in den Nächten –

Die zwiefältige Welt

Rabbi Baruch sprach einmal: »Was für eine gute und lichte Welt ist das doch, wenn man sich nicht an sie verliert, und was für eine finstere Welt ist das doch, wenn man sich an sie verliert!«

Wie der Sasower die Liebe lernte

Rabbi Mosche Löb erzählte: »Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit anderen Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er wie die andern alle, als aber sein Herz von Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: ›Sag du, liebst du mich oder liebst du mich nicht?‹ Jener antwortete: ›Ich liebe dich sehr.‹ Er aber sprach wieder: ›Du sagst:

Nicht mehr als dies

Man fragte Rabbi Bunam: »Es steht geschrieben: ›Ihr aber sollt mir sein ein Königsbereich von Priestern, ein heiliger Stamm. Dies sind die Worte, die du zu den Söhnen Jisraels reden sollst.‹ Dazu bemerkt unser Lehrer Raschi: ›Dies sind die Worte, nicht weniger und nicht mehr.‹ Was  meint er damit?« Rabbi Bunam erklärte: »Mose war gut. Er wollte dem Volk mehr offenbaren, aber er