Faksimile: Brief, Lieber Freund ...

Albrecht Goes Nachwort zu „Der Weg des Menschen nach der chassidischen Lehre“

„Martin Buber und die Chassidim: das ist keine Gelehrtenbeziehung, sondern eine Lebensfreundschaft.

Er hatte früh, noch im Haus seines Großvaters, von dem Chassidim gehört; er hatte ihre Fragen und Antworten, mehr noch: ihr ganzes Dasein sich einverleibt. Er wußte, was diese Frommen vor zweihundert Jahren konnten: sie konnten denken, spielen, träumen, tanzen; sie konnten an Gott glauben, wie nicht leicht sonst jemand an Gott glauben mochte, und sie konnten zugleich die Welt lieben als den Ort, an dem Gott uns begegenen will, in allem Tun, in jedem Ding

Der Frühgetroffene sprach mit diesen Vätern; er hörte zu, er gab Antwort. Sie waren in aller Leiblichkeit- liebend, leidend, lächelnd, weinend , streitend und sterbend- in seiner Stube, in Berlin, in Heppenheim, in Jersualem. Sie waren es auf eine Wiese, daß der Gelehrte Gershom Scholem, ein Begleiter von Bubers Weg durch viele Jahre hin, ein bewundernd-kritischer Geist, sich und die Welt unruhig fragte, ob es bei dieser Bewältigung so ganz mit rechten Dinge zugehe: Scholem nannte den Geschihtenerzähler Buber einen „großen Lauscher“, aber einen, der seine chassidische Hausgenossenschaft zuweilen schlicht und recht buberisch reden lasse.

An Scholems Einwand wird manches Körnlein Wahrheit sein: einiges Eksatische aus der Ursprungs-Welt ist nun domestiziert nacherzählt worden. Aber Bubers Gegeneinwand hat sein eigenes Recht: >Wohl< – erwiderte er- >es wurde gesiebt; aber: Ich bin ein Sieb<.“