Zitate

Fotoausschnitt Buber mit Notizbuch

Hier haben wir wichtige und spannende Texte Bubers versammelt und geben einen kleinen Einblick in die verschiedenen Bereiche seiner Arbeit. Bisher finden Sie hier Worte aus Die Schrift, Die Erzählungen der Chassidim, weitere Textauszüge aus dem Gesamtwerk und einige Stimmen aus Briefwechseln. Die Sammlung wird noch ein wenig erweitert, allerdings kann dies nur einen kleinen Einblick in das Werk Bubers gewähren und wir bitten um Verständnis, wenn der eine oder andere bekannte oder besonders schöne Text vielleicht nicht oder auch noch nicht enthalten ist.

Ein Weg wird sichtbar

Wer eine Lehre von mir erwartet, die etwas anderes ist als ine Hinzeigung, wird stets enttäuscht werden. Es will mir jedoch scheinen, daß es in unserer Weltstunde überhaupt nicht darauf ankommt, feste Lehre zu besitzen, sondern darauf, ewige Wirklichkeit zu erkennen und aus ihrer Kraft gegenwärtiger Wirklichkeit standzuhalten. Es ist in dieser Wüstennacht kein Weg zu zeigen; es ist zu helfen,

Der Mondsegen

In einem Wintermonat folgte eine tief bewölkte Nacht auf die andere, der Mond war nicht zu sehen, und Rabbi Baruch konnte den Mondsegen nicht sprechen. In der letzten Nacht, die dafür zu Gebote stand, schickte er Mal um Mal hinaus, nach dem Himmel zu schauen; aber immer wieder wurde ihm berichtet, es sei stockfinster und dichter Schnee gehe nieder. Schließlich sprach er: »Wenn es um mich gut stünde,

In den Nächten

In seiner Jugend zog Mosche Löb zuweilen am Abend heimlich andere Kleider an, entfernte sich unbemerkt und nahm an den Vergnügungen einiger Altersgenossen teil, sang und tanzte mit ihnen. Sie liebten ihn alle, und sein hingeworfenes Wort war ihnen ein Gesetz, aber er befahl ihnen nie. Als er nach Nikolsburg fuhr, um bei Rabbi Schmelke zu lernen, gaben sie ihre Gelage auf, weil sie ohne ihn keine

Der Narr und der Kluge

Rabbi Bunam sprach einmal: »Wenn ich kunstreiche Schriftdeutungen vorbringen wollte, könnte ich vieles zum besten geben. Aber der Narr sagt, was er weiß, der Kluge weiß, was er sagt.«

Die sechzig Helden

Es heißt, die Seele des Israel ben Elieser habe sich geweigert, in diese niedre Welt hinabzufahren; denn sie scheute sich vor den Brandschlangen, die in jedem Geschlecht einherzüngeln, und fürchtete, sie könnten ihr den Mut schwächen und sie zunichte machen. Da gab man ihr sechzig Helden mit, den sechzig gleich, die das Lager des Königs Salomo umstanden gegen den Schrecken in den Nächten –

Die zwiefältige Welt

Rabbi Baruch sprach einmal: »Was für eine gute und lichte Welt ist das doch, wenn man sich nicht an sie verliert, und was für eine finstere Welt ist das doch, wenn man sich an sie verliert!«

Wie der Sasower die Liebe lernte

Rabbi Mosche Löb erzählte: »Wie man die Menschen lieben soll, habe ich von einem Bauern gelernt. Der saß mit anderen Bauern in einer Schenke und trank. Lange schwieg er wie die andern alle, als aber sein Herz von Wein bewegt war, sprach er seinen Nachbarn an: ›Sag du, liebst du mich oder liebst du mich nicht?‹ Jener antwortete: ›Ich liebe dich sehr.‹ Er aber sprach wieder: ›Du sagst:

Nicht mehr als dies

Man fragte Rabbi Bunam: »Es steht geschrieben: ›Ihr aber sollt mir sein ein Königsbereich von Priestern, ein heiliger Stamm. Dies sind die Worte, die du zu den Söhnen Jisraels reden sollst.‹ Dazu bemerkt unser Lehrer Raschi: ›Dies sind die Worte, nicht weniger und nicht mehr.‹ Was  meint er damit?« Rabbi Bunam erklärte: »Mose war gut. Er wollte dem Volk mehr offenbaren, aber er

Der hilfreiche Berg

Es wird erzählt: »Steil und abschüssig sind die Gipfel jenes Gebirges, an dessen sanftem Hange Israel ben Elieser wohnte. In den Stunden der Abgeschiedenheit pflegte er zu ihnen aufzusteigen und hier zu verweilen. Einmal war seine Verzückung so tief, daß er nicht merkte, als er am jähen Abgrund stand, und gelassen den Fuß zum Weitergehen hob. Da sprang der Nachbarsberg herbei, drückte sich

Der starke Dieb

Der Maggid von Mesritsch sprach: »Jedes Schloß hat seinen Schlüssel, der ihm eingepaßt ist und es öffnet. Aber es gibt starke Diebe, die wissen ohne Schlüssel zu öffnen: sie erbrechen das Schloß. So läßt sich jedes Geheimnis der Welt durch die besondere Versenkung, die ihm eingepaßt ist, erschließen. Gott aber liebt den Dieb, der das Schloß erbricht: das ist der Mensch, der sich das Herz