Bild aus "Die Erzählungen des Rabbi Nachman"

Wohltun

Rabbi Mosche von Kobryn war der Sohn von Dorfleuten, die mit schwerer Arbeit ihr Leben fristeten. Als er ein Knabe war, kam eine Hungersnot über Litauen, die Armen schwärmten mit Weib und Kind aus den Städten übers flache Land, um sich Nahrung zu suchen. Auch durch das Dorf, in dem Mosches Eltern wohnten, zogen täglich Scharen Bedürftiger. Seine Mutter mahlte Korn auf einer Handmühle und buk an jedem Morgen Brot, um es unter sie auszuteilen.

An einem Tag kam eine größere Schar als sonst, das Brot reichte nicht für alle, aber der Ofen war geheizt, Teig lag in den Schüsseln, eilig nahm die Frau davon, knetete die Laibe zurecht und schob sie in den Ofen. Die Hungrigen jedoch brummten, weil sie warten mußten, und etliche Freche unter ihnen verstiegen sich zu Scheltworten und Flüchen. Darüber brach die Frau in Tränen aus. »Weine nicht, Mutter«, sagte der Knabe, »tu nur deine Arbeit und laß sie fluchen und erfülle Gottes Gebot! Vielleicht, wenn sie dich lobten und segneten, wäre es weniger erfüllt.«