Erzählungen

Bild aus "Die Erzählungen des Rabbi Nachman"

Die „Erzählungen der Chassidim“ entstammen dem Band „Chassidismus III“ (Martin Buber Werkausgabe, Band 18), herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Ran HaCohen, der demnächst im Gütersloher Verlagshaus erscheinen wird. © Gütersloher Verlagshaus, in der Verlagsgruppe Random House, Gütersloh/München

Die Bestechung

In seiner Jugend war Rabbi Abraham Jehoschua »Vater des Gerichtshofs« zu Kolbischow, und fünf Städte gehörten zu seinem Bezirk. Einst hatte er eine Rechtssache zusammen mit zwei bestochenen Beisitzern zu entscheiden. Da er sich ihren Vorschlägen beharrlich widersetzte, rieten sie endlich ihrem Auftraggeber, er möge dem Rabbi, dessen Unbestechlichkeit alle drei wohl kannten, einen ansehnlichen

Gebot und Geld

Rabbi Jizchak lobte einst einen Wirt, der auf Befriedigung aller Wünsche seiner Gäste bedacht war. »Wie sehr ist dieser Mann bemüht«, sagte er, »das Gebot der Gastfreundlichkeit zu erfüllen!« »Aber er läßt sich doch dafür bezahlen«, wandte man ein. »Geld nimmt er«, antwortete der Zaddik, »damit es ihm möglich werde, das Gebot zu erfüllen.«

Die Gestalt

Die Chassidim erzählen: »Rabbi Dow Bär von Mesritsch bat einst, man möchte ihm vom Himmel einen Menschen zeigen, an dem alle Glieder und Fasern heilig sind. Da zeigte man ihm die Gestalt des Baalschemtow aus lauter Feuer. Es war kein Stoff mehr daran, sie war nichts mehr als Flamme.«

Aus der Himmelsschau

In einer Zeit großer Nöte für Israel versenkte sich Rabbi Elimelech immer tiefer in seinen Gram. Da erschien ihm sein toter Lehrer, der große Maggid von Mesritsch. Rabbi Elimelech rief ihn an: »Warum schweigt Ihr zu solchen Nöten?« Er antwortete: »Im Himmel sehen wir: alles, was euch ein Übel dünkt, ist ein Werk der Gnade.«

Ein großes Volk

Man fragte den Apter Rabbi: »Der Midrasch weist darauf hin, daß Gott zweimal zu Abraham ›Geh dir‹ sagt, einmal als er ihn aus seinem Vaterhause gehen und einmal als er ihn seinen Sohn opfern heißt. Das erklärt der Midrasch damit, auch das erste Geheiß sei, wie das zweite, eine Versuchung gewesen. Wie ist das zu verstehn?« »Als Gott«, antwortete er, »Abraham aus seinem Vaterhause gehen

Der Weg des Schweigens

Der Weg des Schweigens Einst kamen Rabbi Mendel, der Sohn des Zaddiks von Worki, und Rabbi Eleasar, der Enkel des Maggids von Kosnitz, zum erstenmal zusammen. Sie gingen ohne Gefährten in eine Stube, setzten sich einander gegenüber und schwiegen eine Stunde lang. Dann ließen sie die andern ein. »Nun sind wir fertig«, sagte Rabbi Mendel. * Als er in Kozk war, fragte ihn der Kozker Rabbi:

Der Tanz der Chassidim

Am Fest der Freude an der Lehre vergnügten sich die Jünger im Haus des Baalschem; sie tanzten und tranken und ließen immer neuen Wein aus dem Keller holen. Nach etlichen Stunden kam die Frau des Baalschem in seine Kammer und sagte: »Wenn sie nicht aufhören zu trinken, wird bald für die Sabbatweihe kein Wein mehr übrig sein.« Er antwortete lachend: »Recht redest du. Geh also zu ihnen und heiße

Ohne Gott

Rabbi Abraham sprach: »Herr der Welt, wäre ein Nu vorstellbar ohne deinen Einfluß und deine Vorsehung, was taugte uns da noch diese Welt, und was taugte uns da noch jene Welt, was taugte uns da noch das Kommen des Messias, und was taugte uns da noch die Auferstehung der Toten, was wäre da noch an alledem zu genießen, und wozu wäre es da!«

Dort und Da

Rabbi Uri lehrte: »Es heißt im Psalm: ›Wenn ich zum Himmel stiege, du bist dort, und bette ich mir die Unterwelt, da bist du.‹ Wenn ich mich groß dünke und meine, an den Himmel zu rühren, erfahre ich, daß Gott das ferne Dort ist und ferner, je höher ich mich hebe. Bette ich mich aber in der Tiefe und erniedrige meine Seele zur untersten Welt, ist er da, bei mir.«

Glaube nicht

Der Lubliner sagte: Wenn dir alle Großen Israels sagen, daß du ein Gerechter seist, so glaube es nicht. Selbst wenn dir der Prophet Elija oder ein Engel des Himmels erscheint und sagt, du seiest ein Gerechter, glaube es nicht. Und selbst wenn der Unendliche dir sagt, daß du ein Gerechter seiest, so glaube es allein für den gegebenen Augenblick, schon aber nicht für den nächsten.